Das Bild des Winters in der Schöpfung Alexander Sergejewitsch Puschkins entwickelt sich von einem romantischen Klischee zu einem einzigartigen Synthese aus objektiver Beobachtung, philosophischer Generalisierung und lyrischer Bekenntnis. Für Puschkin ist der Winter nicht nur eine Jahreszeit oder ein dekorativer Hintergrund, sondern ein vollwertiger künstlerischer Welt mit seiner Physik, Metaphysik und Psychologie. Dieses Bild wird zum Schlüssel für das Verständnis der puschkinischen Weltansicht, in der Natur und Mensch ein tiefes, fast organisches Einheit sind.
Im frühen Werk ("Erinnerungen aus dem Zarensee") tritt der Winter oft in conditionell elegischen Tönen auf. Allerdings schafft Puschkin bereits in den 1820er Jahren ihren epischen, fast mythologisierten Porträt.
"Die Dämonen" (1830): Hier ist der Winter eine dämonische, irrationale, dem Menschen feindliche Elementarität. Der Sturm wird zur Visualisierung des metaphysischen Chaos und des existentiellen Schreckens. Das Kreisen des Schnees in der Nacht spiegelt die seelische Verwirrung des lyrischen Helden, seine Orientierungslosigkeit: "Windt sich Wolken, windt sich Wolken… / Die unheimliche Luna / Erleuchtet den flüchtigen Schnee; / Das trübe Himmel, die Nacht trüb". Der Sturm hier ist eine aktive Kraft, ein Antagonist, fast ein Charakter.
"Winterabend" (1825): Im Gegensatz zu "Die Dämonen" wird hier der Sturm draußen ("Der Sturm verhüllt das Himmel mit Nebel, / Die Schneewirbel drehen sich…") durch das Wärme und die Sicherheit der menschlichen Welt ("alte Hütte", "alte Frau", Lied) abgegrenzt und verstärkt. Der Winter tritt hier als Grenzwand auf, die das innere Raum des Zufluchts von dem äußeren Chaos trennt.
Interessanter Fakt: Die Beschreibungen des Sturms in "Die Dämonen" und später in "Die Tochter des Kapitäns" ("Nun, Herr, - rief der Kutscher, - Not: Sturm!"), nach Beobachtungen von Literaturwissenschaftlern, unterscheiden sich durch eine erstaunliche meteorologische Genauigkeit. Puschkin, der während einer Reise von einem Sturm überrascht wurde, wurde der erste in der russischen Literatur, der dieses Phänomen nicht nur conditionell, sondern wie ein Naturforscher beschrieb, dabei jedoch seine poetische und symbolische Kraft bewahrte.
În der reifen Lyrik Puschkins erlangt der Winter neue, tief positiv konnotierte Bedeutungen. Er wird zur Zeit der Konzentration, geistigen Arbeit und kreativen Aufschwung.
"Winter. Was sollen wir auf dem Lande tun?.. "(1829): Der Winter wird hier als ideales Zeit für isoliertes Arbeiten und intellektuelle Kommunikation dargestellt. Der Tagesablauf ("Ich stehe auf; setze mich mit einem Buch…"), das Lesen, Gespräche - der Rhythmus des winterlichen Lebens erzeugt eine besondere Klarheit des Geistes. Hier ist der Winter nicht der Feind, sondern ein Verbündeter des Schaffens, sein Frieden ist notwendig für die innere Arbeit.
Ein besonderer Fall - die Böldiner Herbst 1830: Obwohl formal dies der Herbst ist, psychologisch und kreativ ist dieser Zeitraum eine direkte Projektion des "winterlichen" Modus. Die zwangsweise Isolierung in Böldino aufgrund von Cholerakarantinen verwandelt Puschkin in einen beispiellosen kreativen Aufschwung. Die Isolierung, die Abtrennung vom Welt, die "Sturm" der äußeren Umstände erzeugen nicht Angst, sondern unaufhaltsame Produktivität. Dies ist ein winterlicher Paradoxon: Die Einschränkung des Raums dehnt die Grenzen des inneren Welten.
Puschkin öffnet die ästhetische Selbstwertigkeit des winterlichen Landschafts, seine Fähigkeit, einfaches, nicht durch etwas bedingtes Vergnügen zu spenden.
"Wintermorgen" (1829): Meisterwerk der puschkinischen Bildhaftigkeit. Hier ist der Winter ein Fest des Lichts, der Reinheit und der Harmonie. Der Kontrast zwischen gesternm "bösen Sturm" und heute "großartigen Teppichen" des glitzernden Schnees auf der Sonne überträgt die Dialektik des Lebens. "Kalter Frost und Sonne; ein wunderbarer Tag!" - Diese Zeile fixiert nicht nur das Wetter, sondern den Entzücken vor der Perfektion des Weltall. Hier ist der Winter frei von jeder Bedrohung; er ist Objekt des Entzückens und Quelle der Lebensenergie ("Lustig krischt die erloschene Kamin").
"Herbst" (1833): In diesem Gedicht wird der Winter in der berühmten Vergleich der poetischen Inspiration mit einem Schiff, das "auf dem freien Meer der Wege" segelt, erwähnt. Aber auch hier ist er Teil des natürlichen, gesunden Zyklus: "Und vergesse den Welt - und in der süßen Stille / Ich bin süß in meinem Vorstellung träume". Der winterliche Frieden tritt hier als notwendiger Schritt vor dem kreativen "Erwachen" auf.
În der Prosa wird die Funktion des Winters noch vielseitiger.
"Die Tochter des Kapitäns": Der Sturm (Buран) am Anfang des Romans ist eine schicksalhafte, prophetische Kraft. Er ist nicht nur eine realistische Detail, sondern auch ein Symbol der bevorstehenden historischen Katastrophen (des Pugatschew-Aufstands). Er wirft Grinev vom Weg, führt ihn aber zur Begegnung mit Pugatschew, die seine weitere Schicksal bestimmte. Hier ist der Winter ein aktives Gesicht der Geschichte.
"Eugen Onegin": Die winterlichen Kapitel (Beschreibung des adligen Lebens im Winter, die Reise von Tatjana nach Moskau) werden ein wichtiger soziokultureller Hintergrund. Die russische Winter mit ihren Schlittenwegen, den Bällen, den Weihnachtsgadern ist ein unverzichtbarer Bestandteil des nationalen Lebensstils, den Puschkin so feinfühlig spürt und beschreibt.
Das Bild des Winters bei Puschkin durchläuft den Weg von einer romantischen Metapher der Trauer bis zu einem universellen poetischen Code. Sie ist gleichzeitig:
Ein elementare Kraft (Sturm, Buран), die den Chaos der Geschichte und der Seele verkörpert.
Bedingung für das Schaffen (Ruhe, Isolation, Konzentration).
Quelle ästhetischen Vergnügens (Schönheit des eisigen Morgens).
Ein wichtiger Bestandteil des nationalen Welten (russischer Alltag, Lebensstil).
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