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Das Bild der unheiligen Macht an den Heiligen Dingen in Literatur und Kunst

Die Zeit der Heiligen Dinger, die sich von Weihnachten bis zur Taufe erstreckt, wurde in der slawischen Volkskultur als eine Zeit wahrgenommen, in der die Grenze zwischen der Welt der Menschen und der anderen Welt dünn wird. Dies ermöglichte nicht nur, dass die Seelen der Ahnen die Lebenden besuchen durften, sondern auch, dass dunkle, chthonische Kräfte relative Freiheit erhielten. Das Bild der Unreinheit an den Heiligen Dingen ist nicht nur ein Symbol des Bösen, sondern ein komplexer folklorisch-mythischer Komplex, der ein leuchtendes Spiegelbild in der russischen Literatur und Kunst fand.

In der Volkskultur zeigte sich die unheilige Macht an den Heiligen Dingen auf zwei Weisen. Einerseits war sie gefährlich: nach Überlieferung sind in dieser Zeit besonders Teufel, Dämonen, Kikimora und andere «Ungeheuer» aktiv, die Menschen schaden, den Weg verlieren, erschrecken können. Andererseits war ihre Aktivität strukturiert und unterworfen bestimmten Regeln, was sie teilweise vorhersehbar machte und es ermöglichte, sie in Ritualpraktiken wie dem Kostümieren einzubinden. Durch das Teilnehmen an Kanzelkonzerten und Spielen, indem die Menschen Masken und Pelze anziehen («Kostümieren in Teufel»), verkörpern sie diese Geister für eine Weile, um sie einerseits zu besänftigen und andererseits durch den Ritual zu entwaffnen.

In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts wandelte sich die heilige Unreinheit vom folkloristischen Charakter in ein mächtiges künstlerisches und philosophisches Symbol um. Ein klassisches Beispiel ist die Erzählung Nikolai Gogols «Die Nacht vor Weihnachten» (1832). Hier wird die Unreinheit (Teufel, die Hexe Solocha) mit einem komischen, fast alltäglichen Akzent dargestellt. Der Teufel stiehlt den Mond, rächt sich an dem Schmied Wakula, aber am Ende wird er von der menschlichen List und der Kraft der Liebe besiegt. Gogol webt die Demonologie in das Gewebe des Volkslebens ein und zeigt, dass die Unreinheit in den Heiligen Dingen, obwohl aktiv, nicht allmächtig vor der einfachen Glauben und dem Guten ist.

Einen düsteren und metaphysischen Bild gibt es in der berühmten Erzählung desselben Gogol «Wij» (1835). Obwohl die Handlung nicht streng in den Heiligen Dingen spielt, sondern eher in der Osterwoche, ist sie vollständig auf das Zusammenstoß des Seminarians Homa Brut mit dem demonischen Welt aufgebaut, der sich in der «Zeit ohne Zeit» zwischen den großen Festen aktiviert. Das Bild des Wij, der «augenblicklichen» Unreinheit, verkörpert eine blinde, aber allsehende infernale Kraft, vor der die formale, nicht ehrliche Glauben ohnmächtig ist. Hier ist die Unreinheit bereits ein existentieller Schrecken, der die Seele zerstört.

Im 20. Jahrhundert setzte Michail Bulgakow die Tradition in seinem Roman «Der Meister und Margarita» fort. Der berühmte Satanische Ball, den Woland in den «frühlingsvollen Vollmonaten» gibt, erbt teilweise die Tradition des heiligen Dings «Unheiligkeit». Der berühmte Woland und seine Truppe (Korowjow-Fagot, Azazel, Böhm) sind eine künstlerische, intellektuelle Unheiligkeit, die, als sie in Moskau erscheint, ihren «heiligen» Prozess über die menschlichen Sünden führt. Ihre Bilder sind frei von primitivem Bösen; sie sind mächtige Inspektoren, die moralische Mängel des Weltbildes aufdecken.

Im bildenden Kunst wird das Thema der heiligen Unreinheit durch Illustrationen zu literarischen Werken und Szenografie offengelegt. Ein herausragendes Beispiel sind die Werke des Künstlers Iwan Bilbin. Seine Illustrationen zur «Nacht vor Weihnachten» (1930er Jahre) schufen den kanonischen visuellen Bild der Gogol-Charaktere: des schelmischen, mit einem Hauch von List, des Teufels mit der Kozli-Maske und zarten Beinen und der übergewichtigen, attraktiven Solocha. Bilbin stilisierte die Unheiligkeit unter das Laken, machte sie gleichzeitig schrecklich und witzig.

Im Theater und Kino, insbesondere in den Verfilmungen Gogols (z.B. im Film Alexander Raus «Die Nacht vor Weihnachten», 1961), erhielten die Bilder der Unheiligkeit eine plastische Verkörperung. Der Akzent lag oft auf der Karnevalität, dem Grotesken, was die alte Verbindung der Heiligen Dinger mit der Welt umgekehrter Normen betont, in der die Unheiligkeit für eine Weile ein Teil des spielerischen Akts wird.

Ein interessanter Fakt: In der slawischen Tradition war der Höhepunkt der Aktivität der Unheiligkeit auf die «schrecklichen Abende» zwischen Neujahr (Wassiliwskij Abend) und der Taufe gefallen. Man glaubte, dass in dieser Zeit das Gedenken am besten wahr ist, da genau in dieser Zeit die Unheiligkeit, die unter den Menschen spukt, die Schleier der Zukunft öffnen konnte. Auf diese Weise trat sie nicht nur als Bedrohung auf, sondern auch als Quelle verborgener Weisheit, was ihren Bild als ambivalent machte.

Auf diese Weise hat sich das Bild der unheiligen Macht an den Heiligen Dingen von einem folkloristischen Dämonen-«Scherzfiguren» und gefährlichen Geist bis zu einem tiefen literarischen Symbol entwickelt. Im Kunst dient er zur Aufdeckung der Themen der Versuchung, des Schreckens, des moralischen Wahlverhaltens sowie zur Reflexion der Natur des Festes als einer Zeit der Prüfung des Glaubens und der menschlichen Substanz vor dem Irrationalen. Die heilige Unreinheit wurde zur unverzichtbaren Teil des kulturellen Codes, der das ewige menschliche Streben widerspiegelt, sich von den dunklen Kräften des Daseins zu verstehen, zu schützen oder sich für eine Weile über sie zu lachen.


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