Für die meisten von uns ist das Wort «Bastille» zunächst ein Symbol. Ein Symbol der Französischen Revolution, des Volkszorns und des Sturzes des alten Ordnungs. Am 14. Juli 1789, der Tag, an dem die Pariser Aufständischen diese Festungshaft stürmten und damit den Verlauf der Weltgeschichte für immer veränderten. Aber was ist die Bastille heute? Die mächtige Festung, die in Romanen gepriesen und in Zeichnungen festgehalten wurde, verschwand fast sofort nach der Revolution. An ihrer Stelle entstand eine der lebhaftesten und bedeutendsten Plätze der französischen Hauptstadt, wo Vergangenheit und Gegenwart in ein erstaunliches Muster verknüpft sind. Ein Ort, an dem man gleichzeitig das Echo der revolutionären Lieder und die modernen Rhythmen des städtischen Lebens hören kann.
Die Geschichte der Bastille begann im Jahr 1370, als König Karl V. den ersten Stein für die neue Festung legen ließ. Sie sollte die östlichen Zugänge zu Paris vor den Engländern schützen, deren Truppen während des Hundertjährigen Krieges wüteten. Das Bauwerk, das etwa zehn Jahre dauerte, wurde 1382 fertiggestellt. Die Festung war beeindruckend: Ein massives viereckiges Gebäude mit acht Türmen von etwa 30 Metern Höhe, umgeben von einem breiten und tiefen Graben mit Wasser. Im Inneren befand sich ein weitläufiger Hof, und der einzige Eingang war ein Hebelschiffbrücke. Sie machte einen Eindruck von einer unangreifbaren Festung, die sowohl Feinden als auch eigenen Bürgern Respekt einflößen sollte.
Bereits 1476 wurde hier zum ersten Mal ein staatlicher Krimineller inhaftiert — Jacques d'Armelanc, Herzog von Nemours. Ab diesem Zeitpunkt begann die lange und dunkle Geschichte der Bastille als Hauptpolitische Haftanstalt Frankreichs. Über mehr als vier Jahrhunderte wurden hier unterschiedlichste Gefangene gehalten: von adeligen Würdenträgern und rebellischen Prinzen bis zu religiösen Dissidenten und Autoren verbotener Bücher. Hier saß die berüchtigte «Maskenmann» — der mysteriöse Gefangene, dessen Gesicht immer verdeckt war, und viele andere, deren Namen heute nur Historikern bekannt sind. Die Festung, die einst als Schutzwall des Königreichs gedacht war, wurde allmählich zum Symbol des königlichen Despotismus und Willkürs.
Bis 1789 stand Frankreich am Rand der Revolution. Die Menschen, gequält von Steuern und Hungersnöten, suchten nach Waffen. Paris brodelte, und die Bastille mit ihrer schrecklichen Reputation und den Kanonen, die auf die Stadt gerichtet waren, wurde Ziel des Volkszorns. Am 14. Juli zog eine Menschenmenge, unterstützt von revolutionär eingestellten Soldaten, zur Festung. Der Garnison der Bastille, bestehend hauptsächlich aus Invaliden und schweizerischen Auftragnehmern, gelang es, sich zu verteidigen. Nach mehreren Stunden Kämpfen und Verlusten unter den Angreifern erkannte der Kommandant der Bastille, de Lon, dass der Widerstand sinnlos war. Er kapitulierte, und die Festung fielen.
Die Einnahme der Bastille war nicht nur eine militärische Siege — es war ein vernichtender Schlag gegen die königliche Macht. In der Festung befanden sich an diesem Tag nur sieben Gefangene, aber die Symbolik des Ereignisses war enorm. Der Volkszorn hat nicht nur die Gefangenen befreit — er hat den Hauptstützpfeiler des alten Regimes zerstört. Die Bastille war verurteilt. Bereits am nächsten Tag begann der Abbau, der bis 1791 dauerte. Fast nichts blieb von der mächtigen Festung, die Jahrhunderte lang über Paris thronte.
Heute befindet sich an der Stelle, an der einst die düstere Wand der Bastille stand, die Place de la Bastille. Dies ist eines der bedeutendsten und lebhaftesten Orte in Paris, gelegen an der Grenze der 4. und 11. und 12. Arrondissements. Von ihr strahlen die breiten Boulevards aus, wie von der Place Charles-de-Gaulle-Étoile. Dies ist ein Ort, wo Geschichte, Kultur und moderne städtische Lebensweise aufeinandertreffen. Hier ist es immer voll: Pariser eilen zu ihren Geschäften, Touristen machen Fotos, und in den vielen Cafés und Restaurants tobt das Leben. Hier befindet sich die U-Bahn-Station «Bastille», über die die Linien 1, 5 und 8 fahren, was die Plaza zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt macht.
Im Zentrum der Plaza erhebt sich der Hauptmonument — die Juli-Säule (Colonne de Juillet). Sie wurde 1840 zur Erinnerung an die Ereignisse der Juli-Revolution von 1830 errichtet, die zur Absetzung des Königs Karl X. führte. Die Säule ist aus Bronze gefertigt und wird von einer vergoldeten Statue des Genies der Freiheit gekrönt, die die Unabhängigkeit Frankreichs symbolisiert. Unter dem Sockel der Säule befinden sich die Gräber der Toten während der drei «glorious Days» (Trois Glorieuses) — 27., 28. und 29. Juli 1830. Die Juli-Säule wurde zum neuen Symbol der Freiheit für Paris, die die zerstörte Festung ersetzte.
Eine weitere dominante Struktur der Plaza ist die Opéra Bastille (Opéra Bastille)[reference:25]. Dieses moderne Gebäude aus Glas und Metall wurde am 13. Juli 1989 eröffnet — zum 200. Geburtstag der Einnahme der Bastille. Es sollte die Hauptbühne der Nationaloper Paris werden, ein moderner und technologischer Mittelpunkt, der darauf abzielte, das Opernkunst zu demokratisieren und es der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Bau der Oper an der Stelle, an der einst die Haftanstalt stand, war tief symbolisch — die Kunst kam auf den Platz des Despotismus, und Licht und Raum füllten das Raum, in dem einst Dunkelheit und Unfreiheit herrschten.
Der Saal der Oper, der für 2723 Zuschauer ausgelegt ist, ist einer der größten der Welt. Seine Architektur, geschaffen vom uruguayischen Architekten Carlos Ott, löst auch heute noch Diskussionen aus, aber ihr moderner Aussehen hat sich bereits zur unverzichtbaren Teil des pariserischen Landschaftsbecommen. Die Opéra Bastille ist ein Ort, an dem man die besten Operngesänge hören und großartige Ballettaufführungen sehen kann. Dies ist ein Erinnerung daran, dass die Revolution Frankreich nicht nur Freiheit, sondern auch den Blüte der Kultur geschenkt hat, der heute weitergeht.
Trotzdem, dass die Bastille fast vollständig zerstört wurde, gibt es in Paris dennoch einige Spuren ihrer Existenz. Zunächst ist dies der Kontur der Festung, der auf dem Pflaster der Plaza de la Bastille mit farbigen Steinen verlegt ist. Wenn man genau hinschaut, kann man sehen, wo einst die Mauern und Türme der mächtigen Haftanstalt verliefen. Dies ist eine Art archäologischer Schicht, die jedem Passanten sichtbar ist.
In dem Park am Boulevard Henri IV befindet sich noch ein spürbarer Spur — ein Stein des Fundaments der Festung. Und auf der U-Bahn-Station «Bastille» kann man einen Teil des Grabens sehen, der die Festung umgeben hatte. Diese kleinen, aber kostbaren Relikten transportieren uns in die Jahrhunderte zurück, als Paris ganz anders war.
Nahe der Plaza befindet sich der Arsenal Port — ein malerischer Hafen, an dem Ausflugsboote anlegen. Dies ist ein Ort, wo einst der Graben der Bastille mit der Seine verbunden war. Heute ist es ein ruhiger und romantischer Winkel, der unter den Pariser und Touristen beliebt ist.
Die Bastille heute ist keine Festung und keine Haftanstalt. Es ist ein lebendiges Mahnmal der Geschichte, das ständig verändert und neu interpretiert wird. Die Place de la Bastille mit ihrer Juli-Säule und der Opéra — das ist ein Ort, wo die Vergangenheit nicht nur in Museen gelagert wird, sondern auch im städtischen Alltag lebt fort. Hier mischen sich die revolutionären Lieder mit dem Lärm der Autos, und Erinnerungen an den Sturz des alten Ordnungs stehen nebeneinander mit den Rhythmen der modernen Oper. Dies ist das perfekte Ort, um den Geist von Paris zu spüren — einer Stadt, die seine Geschichte nie vergisst, aber immer in die Zukunft blickt.
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