Pferd (Equus ferus caballus), domestiziert auf dem Gebiet des heutigen Kasachstans (Botai-Kultur, etwa 3500 v. Chr.), wurde nicht nur ein Transport- und wirtschaftlicher Ressource, sondern auch ein zentraler mythologischer, ritueller Symbol in vielen Kulturen. Ihre Rolle als Amulett (Schutzgeist, der Glück bringt) geht auf drei grundlegende Attribute zurück: Geschwindigkeit (Verbindung mit der Sonne, der Zeit, der Nachricht), Kraft/Fruchtbarkeit und Grenzüberschreitung (Mittler zwischen Welten). Diese Attribute wurden in verschiedenen kulturellen Räumen unterschiedlich interpretiert, was einen komplexen Spektrum von Konnotationen schuf.
Bei den nomadischen Völkern (Mongolen, Türken, Kasachen, Kirgisen) war das Pferd die Grundlage der Landwirtschaft und des Krieges, was zu seiner tiefen Sakralisierung führte.
Kult des Pferd-Sonne: Bei vielen türkischen und mongolischen Völkern wurde die weiße oder goldene Pferd als Inkarnation oder Begleiter der Sonne angesehen. Rituelle Rennsprügeleien und Pferdopferungen (wie z.B. im jakutischen Fest Ысыах) sollten Fruchtbarkeit, Glück im kommenden Jahr und die Güte der Götter sichern. Die Mähne und der Schwanz symbolisierten die Sonnenstrahlen.
Amulette-Schutzsymbole: Die Haut, der Schädel oder das Bild des Pferdes wurden als schützende Symbole verwendet. «Pferdeköpfe» (zhuzi) auf den Dächern der Jurten der Kasachen und Kirgisen dienten als Schutzgeist des Wohnraums, der böse Geister vertreibt. Bei den Tuwinern und den Altaiern gibt es bis heute die Tradition, rituelle Bänder (chalama, yalama) an Bäume in heiligen Orten zu binden, die sie als «Pferde» für die Geister darstellen, was Schutz und Wohlwollen sichert.
Mythos des Ursprungs: Der Legende nach war der legendäre Ahnherr Chingis Khans, Borte-Chino («Schwarzer Wolf»), nach dem Willen des Himmels (Tengri) geboren und wurde von einem Luchs-Maraluk geführt. Aber genau durch das Pferd wurde seine Mission verwirklicht. Hier ist das Pferd nicht nur ein Tier, sondern ein sakraler Begleiter, der Kraft und Glück der Familie bringt.
În der chinesischen Kultur ist das Pferd (ma, 马) eines der 12 Tierzeichen des Tierkreises, das Qualitäten wie Hartnäckigkeit, Geschwindigkeit, Lebensenergie (Qi) und Erfolg im Beruf verkörpert.
Pferd und Drache: Es gibt einen hybridmythischen Bild des Longma (龙马, «Pferd-Draaken»), der aus dem Fluss Huanghe kam und den magischen Plan «Hetu» auf seiner Rückenfläche trug, der die Grundlage der chinesischen Numerologie und des «Buch der Weisheit» (I-Ching) legte. Dies ist ein Symbol göttlicher Güte, Weisheit und unglaublicher Glück, die den Menschen bringt.
Feng Shui und Amulette: Statuetten, Bilder oder Ikonogramme mit dem Pferd werden aktiv in der Feng Shui-Praxis verwendet. Besonders beliebt ist das Bild eines fliegenden oder rennenden Pferdes, oft mit Münzen oder einem Symbol des Glücks auf der Rücken, das in den Sektor der Karriere (Nord) oder den Sektor des Ruhms (Süd) des Hauses/Offices platziert wird, um Erfolg zu ziehen, den Aufstieg am Arbeitsplatz zu fördern und die Konkurrenten zu besiegen. Das Pferd, das auf die Dohlen aufsteht («Erhebendes Pferd»), symbolisiert den Durchbruch, die Überwindung von Hindernissen.
«Acht Unsterbliche, die das Meer überqueren»: In dieser populären chinesischen Ikone wird einer der Acht Unsterblichen, Zhongli Yuan, oft auf einem magischen Pferd dargestellt, was die Verbindung des Pferdes mit dem magischen Reise und dem Erreichen des Ziels betont.
Bei den Kelten und den Völkern Nordeuropas hatte das Pferd eine duplizierte Natur: Verbindung mit dem sonnigen Kult (weiße Pferde) und mit chthonischen, unterirdischen Kräften.
Keltische Göttinnen der Kuh: Epona (keltisch) und Rhiannon (walisisch) — Göttinnen, die mit Pferden, Fruchtbarkeit, Tod und dem Jenseits verbunden sind. Epona, deren Bild oft in den Ställen als Amulett-Schutzgeist der Pferde platziert wurde, war eine der wenigen keltischen Göttinnen, die sowohl in der römischen Armee als auch verehrt wurden. Ihr Attribut ist ein Korb mit Früchten oder einem Fohlen — Symbol des Reichtums und des Glücks.
Odin und Sleipnir: In der skandinavischen Mythologie reitet der oberste Gott Odin auf dem achtfüßigen Pferd Sleipnir, das von Loki in Gestalt einer Kuh geboren wurde. Sleipnir ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel; er kann zwischen Welten (Asgard, Midgard, Helheim) reisen, was ihn zu einem shamanischen Symbol, einem Amulett für geistige Reisen und das Erlangen verborgener Weisheit macht. Valkyries, die ebenfalls mit Odin verbunden sind, werden oft auf flügellastigen Pferden dargestellt.
Bei den Slawen war das Pferd ein Attribut des Donnergottes Perun und verbunden mit der Sonne.
Resene Pferdchen auf dem Dach: Holzene Darstellungen von Pferdeköpfen auf den oberen Balken (ochlupnia) russischer Häuser waren nicht nur ein Schmuck, sondern ein mächtiger Schutzgeist des Hauses, der böse Geister vertreibt und Glück in die Familie bringt. Der Konjak wurde als Wächter betrachtet, der in den Himmel schaut.
Nähte und Muster: Stylisierte Bilder von Pferden oder Pferdeköpfen waren in der Volksstickerei (auf Tüchern, Hemden) verbreitet als Symbole des sonnigen Fortschritts, der Lebenskraft und des Schutzes.
Folklore: In Märchen und Balladen ist das Pferd oft ein magischer Helfer des Helden (Sивка-Бурка, Конек-Горбунок), der ihm Glück bringt, ihn vor Not rettet, also die Funktion eines lebenden Amuletts ausführt.
Heute bleibt das Bild des Pferd-Amuletts in angepasster Form erhalten:
«Podkov auf Glück»: Eine Tradition, deren Wurzeln in Europa liegen (vielleicht mit dem Kult der keltischen Epona oder der Legende vom heiligen Dunstan verbunden). Eine Podkov, die auf der Straße gefunden wird, wird als stärkstes Glück-Amulett angesehen, das über der Tür aufgehängt wird. Die Enden müssen nach oben zeigen, um «Glück im Haus zu bewahren».
Sport-Amulette: Das Bild eines rennenden Pferdes ist ein häufiger Symbol sportlicher Vereine (insbesondere in Polo, Pferdesport, Auto- und Motorradrennsport als Symbol der Geschwindigkeit). Ein Pferdebild auf dem Schreibtisch kann ein persönliches Amulett für den beruflichen «Ren» sein.
Das Pferd als Amulett ist ein kultureller Invariant, der in verschiedenen Traditionen spezifisches Inhalt bekommt. Vom sonnigen Skalak der Steppen bis zum chthonischen Führer der Kelten, vom Drachenpferd Chinas bis zum geschnitzten Wächter der slawischen Hütte — es symbolisiert stets Bewegung, Lebensenergie, Verbindung zwischen Welten (oberen und unteren, irdischen und himmlischen) und Schirmherrschaft. Seine Rolle als Amulett geht auf die historische Abhängigkeit des Menschen von diesem Tier zurück, das für ihn nicht nur eine Ressource, sondern auch ein Partner wurde, dessen Glück und Kraft er bei sich als Amulett machen wollte. Dieser alte Symbol lebt im modernen Welt fort, transformiert, aber behält seine tiefgreifende Verbindung mit der Idee des Erfolgs, des Schutzes und des dynamischen Wachstums bei.
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