Die weihnachtliche Kultur Österreichs findet in zwei Städten ihre konzentrierteste Ausdrucksform, die unterschiedliche, aber ergänzende Weihnachtsmodelle darstellen. Wien verkörpert den kaiserlichen, adligen und weltmusikalischen Kanon, während Salzburg barock-kirchlich, patriarchal und tief sakral ist. Ihr Vergleich ermöglicht es, die wesentlichen Bestandteile des «österreichischen Weihnachtsfestes» als Synthese des Habsburger Zeremoniells, der katholischen Liturgie, des musikalischen Genies und des alpinen Volksklangs hervorzuheben.
Das Wiener Weihnachtsfest wurde unter dem Einfluss des Habsburger Hofes und der Traditionen des Wiener Bürgertums geformt. Sein Geist ist der Geist des «kaiserlichen Advents», der sich in mehreren einzigartigen Institutionen widerspiegelt.
Christkindlmärkte: Der Wiener «Am Hof» gilt als einer der ältesten der Welt (erste Erwähnung im Jahr 1296). Der Maßstab wurde jedoch durch den Markt vor dem Rathaus (Wiener Christkindlmarkt am Rathausplatz) gesetzt. Sein Charakter zeichnet sich nicht nur durch den Handel, sondern auch durch eine bildende und unterhaltsame Programm für Familien aus: Werkstätten, Eislaufen, das mit Lichterketten geschmückte Rathaus. Dies ist die Verkörperung der Idee des Festes als öffentlichem Gut, organisiert von den städtischen Behörden. Ein nobler und kammerhafter Markt vor dem Schönbrunn erinnert an die kaiserliche Vergangenheit.
Musiktradition: Wien ist die Weltstadt der klassischen Musik, und Weihnachten ist hier ohne Weihnachtskonzerte unvorstellbar. Neben dem ubiquitous «Nussknacker» ist das Hauptereignis der Konzert des Wiener Sängerknaben. Seine Auftritte im Musikverein und im Hofburgpalast sind nicht nur Konzerte, sondern lebendige Symbole der Kontinuität, die die Gegenwart mit der Ära verbindet, als der Chor am kaiserlichen Hof sang. Das Repertoire umfasst sowohl geistliche Werke (Mozarts, Haydns) als auch volkstümliche Lieder, die ein akustisches Porträt des österreichischen Weihnachtsfestes schaffen.
Konditoreikunst als Ritual: Ein Wiener Weihnachtsgastmahl ist ohne Vanillekipferl — Sandkuchen mit Vanillepudder — und Stollen (hier wird er «Christstollen» genannt) unvorstellbar. Ihre Zubereitung und der Konsum sind ein Familienritual, und der Besuch berühmter Konditoreien (wie «Demel» oder «Gerstner») im Advent eine gesellschaftliche Pflicht. Dies ist die Verkörperung des bürgerlichen Ideals der Gemütlichkeit (Warme, Wohlstand).
Interessantes Detail: Die Tradition des Weihnachtsbaums im heutigen Sinne kam relativ spät nach Wien, Anfang des 19. Jahrhunderts, aus dem protestantischen Deutschland, und wurde von der Aristokratie adaptiert. Stattdessen wurde es in Wien verbreitet, die Weihnachtsbäume mit Schokoladen- und Marzipanfiguren zu schmücken, die von lokalen Konditoren hergestellt werden.
Salzburg, Residenz der Fürsterzbischöfe und Geburtsort Mozarts, bietet ein kammerschäres und tief religiöses Weihnachtsszenario.
Architektur als Dekoration: Der gesamte historische Stadtzentrum, der auf die UNESCO-Liste eingetragen ist, mit seinen barocken Kirchen, der Festung Hohensalzburg und den engen Gassen, wird zur natürlichen Bühne für die Weihnachtsmysterie. Der Markt auf dem Domplatz und auf dem Residenzplatz fügt sich harmonisch in den architektonischen Ensemble ein. Das Hauptdekoration hier ist nicht die künstliche Beleuchtung, sondern die Beleuchtung der Fassaden der Kirchen und Paläste, die ein Gefühl des Theaterakts erzeugt.
Mozarts musikalisches Erbe: In Salzburg ist der Weihnachtsgeschmack unzertrennlich mit der geistlichen Musik des örtlichen Genies verbunden. Während der Adventszeit erklingen in den Kirchen und Konzertsälen seine Messen, Liturgien und Motetten, geschrieben für die örtliche Kirche. Konzerte im Mozarteum oder im Universitätsaal sind nicht nur Vergnügen, sondern liturgische Ereignisse, die in die sakrale Atmosphäre des 18. Jahrhunderts eintauchen.
Alpine Traditionen der «Ersten» und «Zweiten» Weihnachtsnächte: Das Umland der Stadt mit den Bergen bringt Elemente des Tiroler und alpinen Volksklangs ein. Auf den Märkten finden sich nicht nur Wiener Süßigkeiten, sondern auch Werke lokaler Handwerker: geschnitzte Holzdekorationen «Schницбанкерль», Figuren aus geschmiedetem Eisen, Ladanzen. In der Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar (die «Rauchnächte» — «Dunstnächte») finden in den umliegenden Dörfern und jetzt auch auf den städtischen Plätzen Umzüge von Figuren des alpinen Volksklangs statt: Kramper, Perchten und Nochszügler (Perchtenlauf). Dies ist eine Erinnerung an die vorchristlichen Wurzeln des Festes, an den Kampf gegen die bösen Geister des Winters.
Kulturhistorisches Detail: In Salzburg ist die Tradition der lebendigen Krippen (Krippe) erhalten. In der Kapelle der Franziskaner oder im Museum «Salzburger Krippe» kann man nicht statische Figuren, sondern mystische Szenen sehen, die an die mittelalterliche Praxis des religiösen Theaters erinnern.
Trotz der Unterschiede verbinden den weihnachtlichen Geist beider Städte gemeinsame Elemente:
Kult des Christkindes: Genau dieser Bild ist nicht Santa Claus, der zentrale Weihnachtsgeschenkbringer. Seine Erwartung ist die Grundlage der kindlichen Weihnachtsmythologie.
Advent als Hauptzeit: Der Festtag selbst ist die Krönung eines langen Wartens, das durch Adventkranz mit vier Kerzen und Adventskalendern gekennzeichnet ist.
Der Abend des 24. Dezember (Heiliger Abend) ist streng familiär, intim, mit dem Austausch von Geschenken und einem ruhigen Abendessen verbracht. Die Massenveranstaltungen finden zwischen Weihnachten und Neujahr statt.
Der weihnachtliche Geist von Wien und Salzburg ist nicht nur eine Sammlung von Bräuchen, sondern ein räumlich-zeitlicher Konstrukt, in dem Geschichte sich in Klang, Geschmack, Licht und Architektur materialisiert.
Wien bietet ein Modell eines repräsentativen, eleganten, inszenierten Festes, bei dem das Erbe des Reiches als großartige Dekoration für das moderne urban experience dient.
Salzburg taucht in eine Atmosphäre von Authentizität, Sakralität und in den Landschaft des Festes verwurzelt ein, wo liturgische Musik und archaische Rituale ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer ewigen Tradition schaffen.
Zusammen bilden sie einen vollständigen Zyklus des österreichischen Weihnachtserlebnisses: von der weltlichen Pracht und dem musikalischen Fest in der Hauptstadt des Reiches bis zum kammerhaften Glauben und fast heidnischen Kampf gegen die Dunkelheit in der alpinen Festungstadt. Dies ist ein Geist, in dem barocke Pracht mit bürgerlicher Gemütlichkeit und der Genie Mozarts mit alten Wintervertreibungsritualen aufeinander treffen. Der Fest wird hier zu einer Reise in die Zeit, wo jeder seine Nische finden kann — zwischen dem Glanz der kaiserlichen Krone und dem ruhigen Licht einer Kerze in einem geschnitzten Holzkrippe.
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