Afrika ist nicht nur Savannen, Safaris und Kaffee. Es ist auch ein riesiger, unterschätzter Tee-Kontinent. Hier werden einige der farbenfrohen, intensiven und kräftigen Schwarzen Tees der Welt produziert. Und hier gibt es eigene einzigartige Getränke, die nirgendwo anders auf dem Planeten wachsen. Wenn Sie dachten, der beste Tee komme nur aus China, Indien oder Ceylon, dann haben Sie sich getäuscht. Afrika hat der Welt Tee geschenkt, den man in Europa, Asien und Amerika liebt. Aber welchen Tee trinken die Afrikaner selbst? Wie wird er zubereitet? Und warum wurde der kenianische Tee zum Weltstandard?
Der Tee wurde in Afrika relativ spät im Vergleich zu Asien eingeführt. Er wurde während der Kolonialzeit angebaut — hauptsächlich von Briten, die neue Plantagen für ihren Lieblingsgetränk suchten. Die ersten Anpflanzungen tauchten in Südafrika Mitte des 19. Jahrhunderts auf, aber der wahre Boom begann im 20. Jahrhundert, als Tee in Kenia, Uganda, Tansania, Malawi und Ruanda angebaut wurde.
Heute ist Afrika der drittgrößte Teeproduzent der Welt nach China und Indien. Kenia ist der führende Kontinent und der zweitgrößte Exporteur von Schwarztee in der Welt. Tee wird hier auf Hochlandplantagen angebaut, auf einer Höhe von 1500 bis 2700 Metern über dem Meeresspiegel. Dies bietet einzigartige Bedingungen: helles Sonnenlicht, kühle Nächte und vulkanische Böden. Als Ergebnis erhält man Tee mit einem farbenfrohen, scharfen Geschmack, einem intensiven Farbton und einem starken Aroma.
Kenianischer Tee ist das Maß für einen kräftigen, erfrischenden Getränk. Sein Hauptvorteil ist der intensive Bernsteinfarbton und die ausgeprägte Bitterkeit. Diesen Tee verwenden die meisten Tee-Mischungen weltweit, insbesondere in England, wo man starken Tee zum Frühstück liebt. Kenianischer Tee wird oft «aufgelöst» genannt — er gibt schnell Farbe und Aroma bei der Zubereitung ab.
Die bekanntesten Regionen Kenias sind Kericho, Nyeri, Kiisi und die westlichen Gebiete am Viktoriasee. Hier wird hauptsächlich der Sorte «assamisch» (Camellia sinensis var. assamica) angebaut, der einen großen, dunklen Blatt liefert. Tee wird das ganze Jahr über geerntet, aber der beste Erntezeitpunkt ist der trockene Saison von Januar bis März. Dieser Tee wird wegen seines stabilen Qualitätsniveaus und seines erkennbaren Geschmacks mit einer leichten fruchtigen Säure geschätzt.
Kenia ist nicht der einzige afrikanische Produzent. In Malawi wird Tee im Gebiet des Mount Mulanje angebaut. Er ist weicher als der kenianische Tee und hat Honig- und krautige Noten. Malawischer Tee wird oft in Mischungen verwendet, um Weichheit zu verleihen.
Uganda liefert Tee mit einem leichteren Geschmack, aber einem farbenfrohen Farbton. Er wird oft nach Pakistan und andere Länder Südasiens exportiert, wo man Tee mit Milch und Zucker liebt.
Ruandischer Tee ist einer der feinsten und eleganteren. Er wächst auf sehr hohen Plantagen und gibt einen hellen Aufguss mit einem blumigen Aroma. Es ist ein seltener und teurer Tee, der von Gourmets geschätzt wird.
Tansania produziert Tee im Gebiet des Mount Kilimanjaro und im Süden des Landes. Tansanischer Tee ist intensiv, mit holzigen Noten, manchmal mit einem Zitrusnote.
Die Art und Weise, wie Tee in Afrika getrunken wird, variiert stark von Region zu Region. In Nordafrika, insbesondere in Marokko, ist Tee ein Ritual. Hier wird grüner Minztee mit viel Zucker getrunken. Man nennt ihn «at-tay». Man bereitet grünen Tee (meistens chinesischen Tee) mit Minze zu, gießt kochendes Wasser hinein und serviert ihn in kleinen Gläsern. Man trinkt ihn heiß, manchmal mit Schaum. Dies ist ein Symbol der Gastfreundschaft.
In Osteuropa (Kenia, Uganda, Tansania) wird Tee mit Milch und Zucker getrunken, wie in Großbritannien. Aber anders als in Europa wird hier oft Gewürze hinzugefügt — Kardamom, Ingwer, Zimt. Dies erinnert an Tee Masala, nur mit einem afrikanischen Akzent. In einigen Regionen wird Tee direkt in einem großen Metallkessel auf dem Herd zubereitet und dann in Tassen verteilt.
In Südafrika ist Röbisböke populär — ein Getränk, das oft als Tee bezeichnet wird, obwohl es kein Tee ist. Röbisböke wird aus dem Busch Aspalathus linearis hergestellt, der nur in der Westkap-Provinz wächst. Er enthält kein Koffein, ist reich an Antioxidantien und hat einen süßlichen, nussigen Geschmack. Man trinkt ihn sowohl schwarz als auch mit Milch und Eis. Röbisböke wurde als gesunder Tee weltweit populär.
Afrikanischer Schwarztee ist kräftig und bitter. Er sollte nicht zu lange zubereitet werden, sonst wird er bitter. Das optimale Zeitfenster beträgt 3–5 Minuten, das Wasser sollte leicht unter dem Siedepunkt (95–98°C) sein. Normalerweise nimmt man 1 Teelöffel pro Tasse, aber in Afrika wird ein intensiver Geschmack bevorzugt, daher wird manchmal mehr hinzugefügt.
In Marokko wird grüner Tee mit Minze länger zubereitet, manchmal 5–7 Minuten, und immer mit viel Zucker serviert. Ein wichtiger Punkt: In Marokko wird der Tee aus großer Höhe gegossen, um den Tee mit Sauerstoff zu sättigen und Schaum zu bilden. Dies macht den Geschmack weicher und aromatischer.
Röbisböke wird mit kochendem Wasser 5–7 Minuten zubereitet. Er wird nicht bitter, daher kann er länger bleiben. Röbisböke wird oft ohne Zucker getrunken, aber mit Milch oder Zitrone — nach Geschmack.
Der bekannteste und beliebteste Tee der Welt ist der kenianische Tee. Er wird wegen seiner Kräftigkeit, des intensiven Farbtons und seiner Verfügbarkeit geschätzt. Dies ist der Grundstein für viele beliebte Mischungen wie «English Breakfast» oder «Irish Breakfast». Kenianischer Tee kann in jeder Tee-Sammlung gefunden werden — er ist zuverlässig und vielseitig.
Ruandischer und tansanischer Tee sind für Gourmets. Sie sind seltener in Supermärkten zu finden, aber sie werden von Kennern wegen ihrer Komplexität und Klarheit des Geschmacks geschätzt.
Röbisböke wurde in den letzten Jahrzehnten zu einem globalen Hit. Er wird als Alternative zum Schwarztee getrunken, insbesondere von denen, die auf Koffein verzichten. In Europa und den USA wird Röbisböke oft in Desserts, Cocktails und sogar in Backwaren verwendet.
Afrika hat der Welt nicht nur Tee, sondern eine ganze Kultur geschenkt. Und wenn Sie noch nicht den kenianischen Tee oder Röbisböke probiert haben, lohnt es sich, dies zu tun. Nur um zu verstehen, warum afrikanischer Tee das Herz von Millionen erobert hat.
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