Das Bellen ist nicht nur Lärm. Es ist eine Sprache. Hunde bellen nicht einfach so, aus Langeweile (obwohl auch aus Langeweile). Im Gegensatz zu Wölfen, die den Schrei bevorzugen, haben Hunde über Jahrtausende des Lebens neben dem Menschen gelernt, das Bellen als vielseitiges Kommunikationsmittel zu nutzen. Anhand der Tonhöhe, Lautstärke, Frequenz und Dauer des Bells kann ein erfahrener Besitzer bestimmen, ob sein Haustier ihn zur Wanderung rufen will, eine Gefahr warnt oder einfach vor Freude auf seinen Besuch freut.
Die häufigsten Gründe für das Bellen: Angst ( fremder Mensch an der Tür), Angst (Lärm, Schuss, Staubsauger), Spiel (Einladung zum Laufen), Langeweile (langer Alleinsein), Schmerz (Verletzung, Krankheit), Aufmerksamkeitsforderung («Ich will essen, spazieren gehen, streicheln»), Warnung an andere Hunde («Das ist mein Revier»), Nachahmung (die Nachbarschaftshund hat gebellt — ich folge ihr). Das Bellen ist eine Reaktion auf einen Reiz. Um zu verstehen, was der Hund will, muss der Kontext bewertet werden.
Ein hoher, abgerissener Bellen mit Schrei — normalerweise Erregung oder Begrüßung («Der Besitzer ist gekommen!»). Ein tiefer, rauer Bellen mit Brummen — Aggression, Bedrohung («Gehe weg, ich beiße»). Ein langer, monotoner Bellen — Langeweile oder Angst («Lass mich raus, ich bin allein»). Kurze «Gav-Gav» mit Pausen — Warnung («Achtung, jemand kommt»). Ein Bellen, der in einen Schrei übergeht — Sehnsucht nach dem Besitzer, Panikattacke. Ein Hund, der bellt und springt, spielt. Ein Hund, der bellt und zerknirscht, verteidigt sich.
Hunde verstehen perfekt, dass Menschen Ultraschall nicht hören, aber das Bellen hervorragend wahrnehmen. Daher haben sie ihren Ton angepasst: Haushunde bellen häufiger und lauter als wilde Hunde. Studien zeigen, dass der Bellen eines Hundes eine unterschiedliche Akustik für verschiedene Situationen hat und sogar Fremde in ausreichendem Maße bestimmen können, ob der Hund wütend ist oder nach etwas zu essen will. Die Besitzer können den Bellen ihres Haustiers mit einer Genauigkeit von 90% unterscheiden. Dies ist das Ergebnis einer tausendjährigen Ko-evolution.
Wenn ein Hund ständig bellt, könnte die Ursache medizinischer Natur (Schmerz, Demenz bei alten Hunden) oder verhaltensbezogen (Mangel an Auslauf, fehlende Spielzeuge, Trennungsangst). Man sollte den Hund nicht anbrüllen — das verstärkt das Bellen (der Hund denkt, dass du anrufst). Man sollte unerwünschtes Bellen ignorieren und Stille belohnen. Wenn ein Hund an Passanten bellt, trainiere das Kommando «Stille» und belohne mit Leckerlis für das Schweigen. Bei komplexen Fällen wende dich an einen Hundetrainer oder Zool Psychologe.
Welpen beginnen, zu bellen, in den ersten 2-3 Wochen, zunächst unsicher und zischend. Ihr Bellen ist hauptsächlich spielerisch oder ein Signal des Hungers. Erwachsene Hunde bellen gezielter, mit verschiedenen Intonationen. Bei alten Hunden kann das Bellen tiefer und rau werden, manchmal unbegründet (aufgrund einer Verschlechterung des Hörvermögens). Die Rasse beeinflusst auch: Taxen und Schapen bellen häufiger, während Basset Hounds fast nicht bellen (geben ein Brummen von sich). Kampfhunde bellen seltener, aber ihr Bellen ist schrecklicher.
Ethologen haben den Bellen von Hunden in verschiedenen Situationen aufgenommen und anderen Hunden vorgespielt. Diese reagierten unterschiedlich: auf den Bellen «Willkommen» wedelten sie mit dem Schwanz, auf den Bellen «Gefahr» wurden sie aufmerksam. Auch haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass der Mensch den Bellen eines spielenden Hundes von einem aggressiven Hund ohne Fehler unterscheiden kann. Dies spricht für ein angeborenes oder erworbenes Erkennungsniveau. Es ist interessant, dass der Bellen ein sekundärer Signal ist: er ist im Prozess der domestication entstanden, bei Wölfen gibt es ihn fast nicht.
Der Bellen ist die Stimme des Hundes. Wenn du ihn verstehst, wirst du näher an deinem Haustier sein und Konflikte verhindern können. Einfach zuhören.
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