Sammlen ist eine alte wie die Welt Beschäftigung. Schon die primitiven Menschen sammelten schöne Muscheln und ungewöhnliche Steine. Heute sammeln einige Briefmarken, andere Vinyl, wieder andere Autos, und wieder andere signierte Bücher. Aber wo liegt die Grenze, wenn ein harmloses Hobby in eine Pathologie umschlägt? Wenn der Sammler Sklave seiner Leidenschaft wird? Versuchen wir, das mit gesundem Menschenverstand und der Meinung von Psychologen zu klären.
Wenn ein Mensch etwas liebt, das er sammelt, bringt es ihm Freude. Er spürt den Nervenkitzel der Suche, die Freude an der Entdeckung, die Zufriedenheit aus der Systematisierung. Sammeln entwickelt den Horizont: Der Philatelist kennt die Geschichte der Länder durch Briefmarken, der Numismatiker die Metallurgie und Politik verschiedener Epochen. Dieses Hobby hilft, Freunde zu finden (Vereine, Foren, Messen), sich von alltäglichen Sorgen zu ablenken, ein Gefühl des Erfolgs zu geben (die Sammlung ist abgeschlossen!). Für viele ist es eine Investition: Seltene Exemplare werden mit der Zeit teurer. Ein Hobby ist es, wenn die Sammlung Freude bereitet, aber nicht das Leben stört. Man kann eine zusätzliche Tausend Rubel für eine Marke ausgeben, aber man gerät nicht in Schulden und stellt die Familie nicht am Existenzminimum.
Ärzte nennen das «Plüschkinsyndrom» oder «pathologisches Sammeln». Dies ist eine psychische Störung (eingeordnet in die ICD-11). Ein Mensch kann sich mit nichts trennen, auch nicht mit Müll. Er füllt die Wohnung mit Kisten, Zeitungen, alten kaputten Gegenständen. Aber es gibt auch eine «respektabelere» Form: Ein Mensch sammelt, zum Beispiel Kunstwerke, aber gibt alles Geld für sie aus, gerät in Schulden, zahlt keine Rechnungen, verschlechtert seine Gesundheit. Er verliert die Kontrolle. Er streitet sich mit der Familie, wenn man ihm vorschlägt, einen Teil der Sammlung zu verkaufen. Er fühlt sich gestört, wenn er das Sammlung nicht erweitern kann. Die Sammlung wird zum Sinn des Lebens, alles andere wird verdrängt.
Die Grenze wird nach mehreren Kriterien bestimmt: Erstens, Schaden. Wenn das Hobby Ihrer Gesundheit, Finanzen oder Beziehungen schadet, ist das bereits ein Problem. Zweitens, Kontrolle. Können Sie eine Kaufentscheidung ohne Schaden für Ihr Gemüt auslassen? Wenn nicht, ist das ein Alarmsignal. Drittens, Freiheit. Bekommen Sie Freude oder handeln Sie unter Zwang? Viertens, das Verhältnis zu Dingen. Können Sie einen Duplikat einem Freund schenken oder tauschen? Der pathologische Sammler ist neidisch und eifersüchtig.
Hier ist Ivan, 35 Jahre alt, sammelt sowjetische Medaillen. Er hat drei Alben, tauscht mit anderen, aber gibt nie mehr als 10% seines Budgets für Medaillen aus. Er hat eine Frau, Kinder, Arbeit. Das ist ein Hobby. Und Petja, 50 Jahre alt, kauft alle alten Zeitungen, die er findet. In seiner Zweiraumwohnung bleibt nur ein schmaler Gang zur Bettstelle. Er hat keine Familie, er hat seinen Job verloren, weil er aufgrund der Besuche auf dem Flohmarkt verspätet kam. Das ist eine Krankheit. Ein weiteres Beispiel: Olga sammelt handgefertigte Puppen. Sie hat 50 Puppen, sie gibt alles Geld für sie aus und hat einen Kredit aufgenommen. Sie lügt ihrem Mann über die Preise. Das ist bereits ein grenzwertiges Zustand.
Warum wird ein Hobby zu einer Pathologie? Oft ist das ein Versuch, eine Lücke zu füllen: Einsamkeit, Unrealisierung, Trauma. Dinge ersetzen lebendige Beziehungen. Ein Mensch fühlt sich der Sammlung kontrollieren, was ihm im Leben fehlt. Auch eine Rolle spielt genetische Veranlagung (obsessiv-kompulsives Störungsbild). Ein weiterer Faktor ist das Alter: Ältere Menschen, die ihre nahen Verwandten verlieren, beginnen, den Hausmüll zu füllen. Schließlich spielt die Mentalität «Vorratshaltung für den Notfall» aus den armen Jahren eine Rolle. Man muss nicht die Sammlung, sondern die Seele heilen.
Wenn ein naher Mensch in einen pathologischen Sammler verwandelt wird, schreie nicht und wirf die Dinge nicht weg (das verschlimmert die Situation). Wende dich an einen Psychotherapeuten oder Psychiater. Die Behandlung umfasst kognitive Verhaltenstherapie, manchmal Medikamente (Antidepressiva, Antidepressiva). Bei pathologischem Sammeln sind Selbsthilfegruppen wirksam. Denke daran: Der Sammler ist kein «Dummkopf», sondern ein kranker Mensch. Er braucht Hilfe.
Setze einen Budget für dein Hobby: nicht mehr als 10-20% deiner freien Mittel. Begrenze das physische Raum (Schrank, Raum). Überprüfe regelmäßig deine Sammlung: verkaufe Duplikate, schenke das, was seinen Wert verloren hat. Diskutiere deine Hobbys mit deiner Familie, verstecke deine Ausgaben nicht. Wenn du merkst, dass Sammeln dich ärgert, dich nervös macht, deine Arbeit übernimmt — mache eine Pause. Denke daran: Es gibt noch viele Freuden im Leben.
Einige berühmte Menschen waren von Sammeln besessen. Zum Beispiel Paul-Émile Victor (Ethnologe), der Tausende von Gegenständen des Alltags der Völker des Nordens gesammelt hat — das ist ein Beitrag zur Wissenschaft. Aber er hat auch seine Familie verlassen. Oder Salvador Dalí, der Dinge gesammelt hat, die mit seinen Phantasien verbunden waren. Das ist Teil seines kreativen Methods. Es ist schwer zu sagen, ob das eine Krankheit oder eine Eigenschaft des Genies war. Aber die meisten von uns sind keine Genies. Daher ist es besser, die Maße zu wahren.
Sammeln ist ein großartiges Hobby, das das Leben bereichert. Aber wie jedes starke Interesse erfordert es Selbstkontrolle. Sei dir selbst und deinen Mitmenschen bewusst. Und erinnere dich: Die Sammlung sollte dir dienen, nicht du ihr.
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