Glück ist nicht nur eine Emotion. Nicht "ha-ha" und nicht "hurra, Freitag". Es ist ein tiefes Zustand des Geistes, das von Umständen unabhängig ist. Man kann alles verlieren - Gesundheit, Geld, nahe Menschen - und dabei die Freude nicht verlieren. Und man kann eine Villa und ein Yacht haben, aber innen verbrannt sein. Was ist dann Glück als geistiges Zustand und wie unterscheidet es sich vom einfachen Vergnügen? Lassen Sie uns klären.
Genuss kommt von außen: leckeres Essen, Sex, Gewinn im Lotto. Es vergeht schnell und hinterlässt den Durst nach Wiederholung. Glück hingegen ist ein innerer Quell. Es ist ein Zustand von Fülle und Verbindung mit der Welt, in dem man keine Anreize benötigt. Man kann glücklich sein, wenn man in einem leeren Raum sitzt. Geistige Freude hängt nicht von Ereignissen ab. Sie ist ein Fundament. Sie kann nicht gekauft, gestohlen oder verdient werden. Sie kann nur durch Praxis und Bewusstsein erlangt werden. Weise aller Traditionen sagen: Glück ist unsere wahre Natur, nur haben wir es vergessen.
Der Grund ist die Identifikation mit dem Geist und dem Körper. Wir denken: "Ich bin meine Gedanken, meine Errungenschaften, mein Körper". Wenn etwas nicht so läuft, leiden wir. Wir vergleichen uns ständig mit anderen, neiden, fürchten. Wir leben in der Vergangenheit (Verletzungen) oder in der Zukunft (Besorgnis). Freude ertrinkt in diesem Lärm. Der Verlust von Glück ist keine Strafe, sondern eine Folge von Unachtung. Wir haben gelernt, nicht hier und jetzt zu sein. Wir haben gelernt, das Schöne im Einfachen zu sehen: im Sonnenuntergang, in einem Lächeln eines Kindes, in der Stille.
Im Christentum ist Freude der Frucht des Heiligen Geistes. Apostel Paulus sagt: "Freut euch immer". Auch unter Verfolgung. Diese Freude ist nicht Freude, sondern die Sicherheit, dass Gott nahe ist, dass alles zum Besseren wird. Im Buddhismus ist Freude (mudita) die Freude über die Erfolge anderer, die Fähigkeit, glücklich zu sein für das Glück anderer. Im Sufismus (mystischer Islam) ist Freude das Ergebnis der Auflösung des Egos im Göttlichen. Im Hinduismus ist Freude (ananda) die Essenz des Brahman. Alle Religionen übereinstimmen: Glück ist nicht Zufall, sondern ein Weg. Es kann und muss trainiert werden.
Der erste Schritt ist die Praxis der Dankbarkeit. Jeden Abend notieren Sie drei Dinge, für die Sie heute dankbar sind. Selbst wenn der Tag schwer war, kann man dafür danken, dass man lebt, dass die Sonne scheint, dass jemand lächelt. Zweiter Schritt ist Meditation. Die Beobachtung des Atems beruhigt den Geist, beseitigt den Lärm und Freude manifestiert sich selbst. Dritter Schritt ist Dienst. Indem wir anderen helfen, treten wir aus dem Egozentrismus aus und beginnen, das Einheit zu fühlen. Vierter Schritt ist Vergebung. Verletzungen blockieren das Glück. Vergeben Sie dem Verursacher - nicht für ihn, sondern für sich selbst.
Geistige Freude leugnet nicht den Schmerz. Man kann Schmerz empfinden und gleichzeitig glücklich sein. Zum Beispiel kann ein Mensch mit einem schweren Diagnose jeden Tag freuen, wertvolle Momente mit der Familie zu schätzen. Er leugnet das Leid nicht, aber lässt es nicht den gesamten Raum des Geistes füllen. Das ist keine Selbstmord, sondern Reife. Währenddessen gerät ein Mensch, der nur nach Vergnügen sucht, in Entsetzen, wenn es auch nur ein kleines Leid gibt. Glück als geistiges Zustand ist die Fähigkeit, Schmerz zu behalten, aber nicht von ihm in Anspruch zu nehmen.
Die Hauptfeinde sind Selbstmitleid ("Warum mir das?" ), Schuldgefühl ("Ich bin nicht würdig des Glücks"), Neid, Hochmut, Angst. Auch hilft Perfektionismus: Wir legen das Glück auf die Zukunft ("Wenn ich eine Wohnung kaufe, dann..."). Aber dann kommt nie. Eine andere Falle ist die Flucht vor Einsamkeit. Ein Mensch fürchtet, allein zu bleiben, weil da Leere ist. Aber Leere ist auch ein Anfang. Innere Stille ist die Bedingung für das Erscheinen echter Freude.
Das Zustand von Glück ist ein Fluss, in dem man die Zeit vergisst. Kreativität (Schreiben von Gedichten, Malen, Gitarre spielen) ruft oft genau dieses Zustand hervor. Aber Kreativität kann auch eine Flucht sein. Wichtig ist nicht zu verwechseln: Freude am Ergebnis (Anerkennung) ist Genuss. Freude am Prozess ist ein geistiges Zustand, in dem man eins mit dem ist, was man tut. Seien Sie kreativ, nicht um zu verkaufen, sondern weil es ein Weg ist, sich selbst zu sein. Dann wird es auch ein Ergebnis geben, aber nicht das Hauptziel.
Glück ist untrennbar mit Liebe verbunden (nicht mit Liebe, sondern mit bedingungsloser Liebe). Wo Liebe ist, da ist auch Freude. Mit Güte: Ein glücklicher Mensch kann nicht brutal sein. Mit Weisheit: Freude hilft, Dinge in Perspektive zu sehen, nicht zu dramatisieren. Mit Großzügigkeit: Es ist leicht für einen glücklichen Menschen zu teilen. Mit Geduld: Freude ermöglicht es, zu warten ohne Ärger. Das ist ein Paket von Tugenden: Wenn man eine entwickelt, zieht die anderen nach sich.
Glück als geistiges Zustand ist nicht rosa Brille. Es ist ein klare Sicht auf die Welt, die gleichzeitig schön und tragisch ist. Es ist die Bereitschaft, das Leben in seiner Gesamtheit zu akzeptieren, ohne zu verlangen, dass es bequem ist. Es ist nicht einfach, solche Freude zu erlangen. Aber es ist möglich. Beginnen Sie mit dem Kleinen: Machen Sie jetzt, wenn Sie diese Zeilen lesen, einen Atemzug, Ausatmen, und lächeln. Ohne Grund. Das ist der erste Schritt.
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