Die Interaktion von Tanz, Musik und der Weihnachtstradition stellt ein komplexes kulturelles Phänomen dar, das seine Wurzeln in vorchristlichen Riten hat und unter dem Einfluss der christlichen Liturgie transformiert wurde. Die wissenschaftliche Analyse dieses Syntheses ermöglicht es, den Weg von religiösen Verbotsen zur volkstümlichen Karnevalisierung und schließlich zur säkularen Festkultur zu verfolgen.
Interessanter Fakt: Das Verhältnis der Kirche zum Tanz im Kontext des Gottesdienstes war widersprüchlich. Die frühen Kirchenväter (z.B. Johannes Chrysostom) verurteilten die «Tänze» und weltlichen Vergnügungen scharf, indem sie sie dem geistlichen Konzentration gegenüberstellten. Der biblische Text enthält jedoch Beispiele sakraler Tänze — König David, der vor dem Schrein des Bundes tanzt (2 Könige 6,14). In der europäischen Mittelalterzeit fanden in den Kirchen manchmal «Tänze des Todes» (danse macabre) und rituelle Umzüge, insbesondere an Feiertagen, statt, was ein Rückgrat älterer Praktiken war. An Weihnachten wurden in einigen westlichen Traditionen (z.B. der «Tanz des Todes» in der Kirche Santa Maria in Manises in Katalonien) Elemente der Choreografie in liturgische Dramen eingebunden, die den Kampf zwischen Gut und Böse illustrierten.
Das einprägsamste Beispiel für den Synthese ist die Tradition des Klingen. Ursprünglich war dies ein heidnischer Umzugsritus mit Liedern, die Fruchtbarkeit und Wohlergehen des Hauses beschworen (die slawischen «Koljady» sind mit dem Kult des Sonnengottes Kolyada verbunden). Die Kirche, folgend der Strategie der «christlichen Christianisierung des Heidentums», füllte diese Umzüge mit neuem Inhalt — Geschichten von der Geburt Christi. Die musikalischen Klingen waren oft auf einfache, merkwürdige Melodien gebaut, die archaische Gesänge mit späteren kirchlichen Tonsystemen kombinierten. Der Umzugsritus wurde durch symbolische Handlungen und manchmal auch durch Tänze um das Haus begleitend, was als Form eines rituellen Tanzes zur Sakralisierung des Raums angesehen werden kann.
Seit dem XIII. Jahrhundert wurde der Brauch, Krippen (Pressepe) zu errichten, dank der Aktivitäten Franz von Assisi weit verbreitet. In Neapel und anderen Regionen Italiens und Südwesteuropas wurde die Vorführung des Krippenbildes zu einem ganzen Straßenschauspiel mit Musik und improvisierten Darbietungen. Die Teilnehmer, die die Weisen, Hirten, Herodes darstellten, standen nicht einfach, sondern spielten Szenen nach, die tanzende Bewegungen umfassten — zum Beispiel die Tänze der Hirten aus Freude oder das Marschieren der Weisen. Diese Darbietungen wurden zu einer Brückenform von der strengen Liturgie zum volkstümlichen Theater, wo Tanz und Musik die Hauptausdrucksmittel der allgemeinen Freude waren.
In der Zeit des Barocks und des Klassizismus wurde Weihnachten zum Thema für die höhere Kunst. Zum Beispiel wurde 1734 in London der Ballett «Pigmaliون» aufgeführt, dessen Premiere am Weihnachtstag stattfand. Am eindrucksvollsten ist jedoch der Genre der Weihnachtsoratorium (J.S. Bachs «Weihnachtsoratorium» 1734-35), wo die gesamte Weihnachtsgeschichte mit musikalischen Mitteln dargestellt wurde, und in den Texten waren Bezüge zum Lachen und Tanzen enthalten («Jauchzet, frohlocket!» — «Freut euch, jubelt!»). Obwohl die Ode nicht eine szenische Aufführung vorsah, war sie mit tänzerischen Rhythmen dieses Zeitalters reich belegt — Sizilianen, pastoralen Menuetten, die die Freude der Hirten illustrieren.
Die Vielfalt der Weihnachtstänze in Europa ist beeindruckend:
In Griechenland und auf den Balkanländern wurden in der Zeit von Weihnachten bis zur Taufe (12 Tagen, «Tagen der Dämonen») rituelle Tänze der «Koljadaris» aufgeführt, oft mit Masken und Tamburinen, deren Ziel das Vertreiben böser Geister war.
In England waren die traditionellen Tänze-Marsch «Morris», die auch zu Weihnachten aufgeführt wurden, mit rhythmischem Stockklopfen, das das Streben zwischen Licht und Dunkelheit symbolisierte.
In Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas werden in den Tagen der «Posadas» (Vorprenzfeiern) Tänze aufgeführt, die die Suche nach einem Unterschlupf von Maria und Josef darstellen, sowie leuchtende Tänze mit Poinsettien.
Im 19. und 20. Jahrhundert überschritt die Weihnachtsmusik und der Tanz endgültig die Grenze der Kirche. Das Erscheinen solcher Hits wie Pjotr I. Tschaikowskys «Nussknacker» (1892) wurde ein Schlüsselmoment. Der Ballett, basierend auf der Geschichte von E.T.A. Hoffmann, ist obwohl er nicht eine direkte Illustration von Weihnachten ist, fest mit dem Fest verbunden durch seinen Plot (Weihnachtsabend) und die jährlichen Aufführungen im Dezember. Beliebte Lieder («Jingle Bells», 1857) und Tänze (Karnevalsstile) haben das Weihnachtsrepertoire in einen globalen säkularen Phänomen verwandelt.
So haben Tanz und Musik im Kontext von Weihnachten eine Evolution von marginalen, halbheidnischen Praktiken, die die Kirche misstrauisch machte, bis zu einem mächtigen Ausdrucksmittel kollektiver Freude durchlaufen, das in volkstümliche und sogar liturgische Traditionen integriert ist. Dieser Synthese zeigt die bemerkenswerte Fähigkeit der christlichen Kultur, archaische Formen der Ausdrucksweise zu assimilieren, zu reinterpretieren und zu inspirieren, ein einzigartiges Raum zu schaffen, wo Sakrales mit Volkstümlichem aufeinander trifft und Ritus in ein festliches Karnevalsdrama übergeht. Der Weihnachtstanz und die Musik sind nicht nur ein Vergnügen, sondern ein mehrschichtiges kulturelles Code, der die Erinnerung an alte Rhythmen bewahrt, die sich auf die Geburt der Hoffnung beziehen.
New publications: |
Popular with readers: |
News from other countries: |
![]() |
Editorial Contacts |
About · News · For Advertisers |
German Digital Library ® All rights reserved.
2023-2026, BIBLIO.COM.DE is a part of Libmonster, international library network (open map) Keeping the heritage of Germany |
US-Great Britain
Sweden
Serbia
Russia
Belarus
Ukraine
Kazakhstan
Moldova
Tajikistan
Estonia
Russia-2
Belarus-2