Der Zirkusbär ist eine Klassik. Vor hundert Jahren konnte kein Wanderzirkus ohne den auf den hinteren Beinen gehenden, kniegenden und den Ball drehenden Bären auskommen. Aber hinter dieser süßen Szene verbergen sich Jahre schrecklicher Zucht, eine zerrüttete Psyche des Tieres und leider auch moderne Verbote. Wie hat sich das Verhältnis zu den Bärenkünstlern geändert? Warum verschwindet dieser Akt in der Vergangenheit?
Die ersten Erwähnungen von tanzenden Bären in Russland stammen aus dem 11. Jahrhundert. Die Akrobaten führten Bären an Leinen, zeigten die «Bärenkomödie»: Das Tier spielte einen betrunkenen Mann, eine Frau, kämpfte mit dem Besitzer. Der Bär war ein Symbol der Stärke und Dummheit. Im 19. Jahrhundert wurden in Europa die «Bärentheater» populär — zum Beispiel in der Schweiz, wo die Bären zum Jonglieren gelehrt wurden. Die Zirkusschule in der UdSSR hat die Zucht perfektioniert: Die Bären fuhren auf Motorrädern, spielten auf Balalajkas, hoben Hanteln.
Die traditionelle Zucht der Bären basierte auf Schmerzen. Es wurden ein metallenes Ringband im Nasenloch verwendet (daran wurde gezogen), Peitschen, Hungersnot. Der Bär merkte: Wenn er sich nicht auf die hinteren Beine stellen würde, würde es weh tun. So wurde ein bedingter Reflex entwickelt. Allerdings gibt es auch moderne humane Zucht (Methoden der positiven Verstärkung). Zum Beispiel arbeiten im Zirkus der Brüder Zapashny mit Leckerbissen (Honig, Kekse, Fisch) mit den Bären. Aber jede Zucht eines wilden Tieres ist ein Stress für es. Der Bär bleibt ein Raubtier, und selbst der freundlichste Zirkusbär kann den Züchter jederzeit in die Klinik schicken.
Der bekannteste Bär in der Zirkusgeschichte ist Michail Potapych (bekannt durch den Film «Zirkus» mit Ljubow Orlowa). In den 1930er Jahren trat in der UdSSR ein Bär namens Jasha auf, der durch Europa tourte. In modernen Zirkeln — die Bären Kuklatschёva (Katzen — das ist ja klar, aber auch Bären hatte er). Die Brüder Edgar und Aschot Zapashny arbeiten mit Braunbären: Ihre Nummern «Bärer Rock'n'Roll» sind bekannt. Im westlichen Zirkus (Cirque du Soleil) werden keine lebenden Bären verwendet — nur Akrobaten in Kostümen. Aber im alten amerikanischen Zirkus der Ringling-Brüder war ein berühmter Bär-Jongleur.
Der Standardbestand: Gehen auf den hinteren Beinen, Salto, Fahrrad fahren, Roller fahren, Händeschütteln, Musikinstrumente spielen (eigentlich — Imitation der Bewegungen), Drehen von Stäben. Aus dem Komplexen: Balancieren auf dem Ball, Durchgang durch den glühenden Ring, «Bärer Fußball» (mit der Pfote den Ball schlagen). In den besten Fällen macht der Bär eine Handstand. Einige Bären können mit dem Schnabel einen Schloss öffnen — das ist ein hoher Intelligenzniveau.
Seit den 2000er Jahren treten die Tierschützer aktiv gegen die Verwendung von Bären im Zirkus auf. Die Gründe: Die unnatürliche Lebensumgebung (engen Käfigen, Licht, Lärm), schreckliche Zuchtmethoden (sogar «humane» beinhalten die Unterdrückung des Willens), kurze Lebensdauer (Bären leben im Zirkus 15-20 Jahre, anstatt 30-40). Einige Länder (Griechenland, Indien, die Niederlande) haben die Verwendung wilder Tiere im Zirkus bereits verboten. In Russland gibt es bisher keinen solchen Verbot, aber die öffentliche Meinung ändert sich. Es gibt immer häufiger Zirkusse ohne Tiere. Bären werden durch Animateure oder Akrobaten in Kostümen ersetzt.
Früher wurden alte Künstler betäubt. Heute gibt es Tierheime für Zirkusbären (z.B. «Wildpark» in der Oblast Kaluga). Dort werden die Tiere rehabilitiert: Sie lernen, sich vor dem Wald nicht zu fürchten, Nahrung zu beschaffen. Nicht alle können in die wilde Natur entlassen werden — sie sind zu sehr an den Menschen gewöhnt. Aber das Leben in einem Gehege mit Schwimmbad und Wurzelstöcken ist besser als eine Zelle vor der Vorstellung. Bären, die aus Wanderzirkussen gerettet wurden, leiden oft unter Übergewicht, psychischen Störungen (Schaukeln von Seite zu Seite).
Der Zirkusbär ist ein widersprüchliches Bild. Einerseits erregt er Lachen und Applaus. Andererseits ist es eine Erinnerung daran, wie der Mensch die Natur unterworfen hat. Sehen Sie sich das Nummer mit dem Bären an, aber denken Sie daran: Was fühlt der Künstler selbst?
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