Wir produzieren Plastik seit über einem Jahrhundert. In dieser Zeit wurde er untrennbarer Bestandteil unseres Lebens — Verpackung, Geschirr, Kleidung, Technologie, sogar Medikamente. Aber anders als wir hat der Ozean nicht freiwillig Plastik gewählt. Er hat es als Laster erhalten. Jedes Jahr gelangen Millionen Tonnen Plastikmüll ins Meer, und bereits heute treiben in den Ozeanen ganze Müllinseln. Das ist nicht nur eine ökologische Katastrophe. Dies ist ein Wendepunkt in der Geschichte des Planeten, bei dem ein Material, das für den Komfort geschaffen wurde, eine Bedrohung für das Leben darstellt — einschließlich unseres eigenen.
Der Hauptquelle des Plastiks im Ozean ist das Land. Etwa 80% aller Meeresmüll gelangen von der Küste: über Flüsse, Wind, illegale Mülldeponien, Regenwasserabflüsse. Plastikflaschen, Taschen, Einweggeschirr, Verpackung von Lebensmitteln — all das, das auf der Straße entsorgt wird, landet früher oder später im Meer. Selbst wenn Sie im Zentrum des Kontinents wohnen, kann Ihr Müll über das Flusssystem in den Ozean gelangen.
Der zweite, wenn auch kleinere Anteil sind die Abfälle von Schiffen. Fischernetze, verlorene Containern, Müll von Kreuzfahrtschiffen — alles wird Teil des ozeanischen Müllkreislaufs. Sobald das Plastik ins Wasser gelangt, verschwindet es nicht, sondern zersetzt sich in kleine Teilchen — Mikroplastik, das mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen ist, aber seine Folgen sind kolossal.
Sicher haben Sie von der «Müllinsel» im Pazifik gehört. Tatsächlich ist das keine Insel, sondern eine riesige Zone, in der sich unter dem Einfluss der Strömungen Plastik sammelt. Sie liegt zwischen Kalifornien und Hawaii und hat eine Fläche, die mit Frankreich, Deutschland und Spanien zusammen vergleichbar ist. Allerdings ist das keine dichte Müllhalde, sondern eher ein trüber «Suppe» aus kleinen Teilchen, in der auch größere Fragmente treiben.
Ähnliche Flecken gibt es in jedem Ozean, und sie wachsen jedes Jahr. Wissenschaftler schätzen, dass derzeit mehr als 150 Millionen Tonnen Plastik im Ozean sind, und diese Zahl wächst jährlich um 8–10 Millionen Tonnen. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, wird es 2050 mehr Plastik im Ozean geben als Fische — natürlich nicht nach Anzahl der Individuen, aber diese Analogie ist beeindruckend.
Das Schrecklichste daran ist, wie Plastik in die Nahrungskette eindringt. Mikroplastikteilchen mit einer Größe von weniger als 5 mm werden vom Plankton, Fischen, Muscheln und Meeressäugern aufgenommen. Sie nehmen sie fälschlicherweise für Nahrung. Plastik wird nicht verdaut, aber es verursacht Entzündungen, blockiert den Verdauungstrakt, verringert die Aufnahme von Nährstoffen und führt zu einem langsamen Tod.
Aber das ist noch nicht alles. Plastik funktioniert wie ein Magnet: Es zieht toxische Substanzen aus dem Wasser an — PBB, Diokine, Pestizide. Wenn ein Fisch diesen Plasticstück isst, gelangen die Chemikalien in seinen Körper und dann in den Körper desjenigen, der die Fische isst. Dazu gehören auch Menschen. Wir essen Meerestiere, wir verwenden Meersalz, wir atmen Mikroplastikteilchen ein, die in der Atmosphäre zirkulieren. Plastik ist bereits in uns – Studien finden es im Blut, in den Lungen und sogar in der Plazenta von Neugeborenen.
Größere Plastikstücke bedrohen das Leben von Walen, Schildkröten, Delfinen und Robben. Sie verheddern sich in den Resten von Netzen, ersticken in Plastikringen von Verpackungen, nehmen Polyethylensäcken für Medusen. Aber es gibt auch subtilere Effekte. Zum Beispiel stören einige Substanzen, die vom Plastik freigesetzt werden, das endokrine System der Tiere, verringern ihre Fähigkeit zur Fortpflanzung. Bei vielen Arten wurden Verhaltensänderungen im Zusammenhang mit der Verunreinigung festgestellt.
Besonders gefährdet sind Meeresschwalben: Sie füttern ihre Küken oft mit Plastik, weil sie es für Fisch halten. Laut Schätzungen der Wissenschaftler haben bereits 90% der Meeresschwalben Plastik mindestens einmal im Leben aufgenommen. Das ist mehr als nur eine Statistik – das ist ein Signal, dass die gesamte Ökosystem in Gefahr ist.
Es gibt zwei globale Lösungen: die Verringerung der Produktion von Plastik und die Etablierung seiner Wiederverwertung. Aber auf persönlicher Ebene kann jeder von uns viel tun. Zunächst einmal, die Einwegverpackung abzulehnen – Flaschen, Taschen, Becher, Röhrchen. Produkte in Mehrwegverpackungen auszuwählen. Zweitens, Unternehmen zu unterstützen, die recycelte Materialien verwenden. Drittens, an Küstenreinigungen teilzunehmen und Müll ordnungsgemäß zu sortieren.
Politische Maßnahmen sind ebenfalls wichtig. In der Europäischen Union sind die am häufigsten verwendeten Einwegplastikprodukte bereits verboten. Viele Länder einführen Steuern auf Plastikverpackungen. Wir müssen von Unternehmen einen verantwortungsvollen Ansatz verlangen, und dann wird der Markt sich ändern. Ein sauberer Ozean ist keine Utopie, sondern eine Frage der Zeit und der gemeinsamen Anstrengungen.
Plastik im Ozean ist ein Spiegel unseres Verbrauchs. Wir sehen in ihm unsere Gewohnheiten, unsere Eile, unsere Unvorsichtigkeit. Aber wir sehen auch die Möglichkeit, alles zu ändern. Jeder Verzicht auf ein Taschentuch, jede abgepulte Flasche am Strand – das ist ein Schritt, um sicherzustellen, dass der Ozean ein Ozean bleibt und nicht ein Müllplatz. Die Erde kann das nicht verarbeiten, was wir entsorgen. Aber wir können aufhören zu entsorgen.
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